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Eisen(II)-sulfat

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[3] ggf. erweitert[2]
Gefahrensymbol
Achtung
H- und P-Sätze H:
  • Gesundheitsschädlich bei Verschlucken.
  • Verursacht Hautreizungen.315
  • Verursacht schwere Augenreizung.
P:
  • Nach Gebrauch … gründlich waschen.(Die vom Gesetzgeber offen gelassene Einfügung ist vom Inverkehrbringer zu ergänzen)
  • ​Schutzhandschuhe/ Schutzkleidung/ Augenschutz/ Gesichtsschutz/ Gehörschutz/ … tragen.
  • ​Bei Verschlucken: Bei Unwohlsein Giftinformationszentrum / Arzt / … anrufen.
  • Bei Berührung mit der Haut: Mit viel Wasser / … waschen. (Die vom Gesetzgeber offen gelassene Einfügung ist vom Inverkehrbringer zu ergänzen)
  • Bei Kontakt mit den Augen: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen.
  • Bei Hautreizung: Ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen.
[2]
Toxikologische Daten

Eisen(II)-sulfat (auch Ferrosulfat, Grünsalz, Eisenvitriol, früher auch Grüner Galitzenstein und lateinisch Vitriolum viride[6]) ist ein zweiwertiges Eisensalz der Schwefelsäure. Der Name Grünsalz für Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat (FeSO4 · 7 >H2O) leitet sich von der grünlichen Farbe des kristallwasserhaltigen Salzes ab.

Strukturformel
Struktur des Fe2+-Ions Struktur des Sulfations
Allgemeines
Name Eisen(II)-sulfat
Andere Namen
  • Eisensulfat
  • Eisensulphat
  • Eisenvitriol
  • Schwefelsaures Eisenoxydul
  • Eisenoxydulsulfat
  • grünes Vitriol
  • FERROUS SULFATE (INCI)[1]
Summenformel FeSO4
Kurzbeschreibung
  • weißer Feststoff (wasserfrei)[2]
  • hellbläulicher bis blassgrüner, lichtempfindlicher, hygroskopischer Feststoff (Heptahydrat) [2]
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 231-753-5
ECHA-InfoCard Extern 100.028.867
PubChem Extern 24393
ChemSpider Extern 22804
DrugBank DB13257
Arzneistoffangaben
ATC-Code B03 Extern AA07
Eigenschaften
Molare Masse
  • 151,91 g/mol (wasserfrei)
  • 278 g·mol−1 (Heptahydrat)
Aggregatzustand fest
Dichte
  • 2,84 g/cm3 (wasserfrei)[2]
  • 1,89 g/cm3 (Heptahydrat)[2]
Schmelzpunkt Zersetzung: oberhalb von 400 °C[2]
Löslichkeit Leicht löslich in Wasser[2]

Vorkommen und Herstellung

Die Herstellung erfolgt durch Erhitzen von pulverisiertem Eisen in 20%iger Schwefelsäure:

{\displaystyle \mathrm {Fe+H_{2}SO_{4}\longrightarrow FeSO_{4}+H_{2}} }

Nach Beendigung der Wasserstoffentwicklung wird eingeengt und heiß abfiltriert.

Unmittelbar nach dem Filtrieren kristallisiert hellgrünes Eisen-II-sulfat aus.

Eisen(II)-sulfat kann auch kommerziell durch Oxidation von Pyrit gewonnen werden.

{\displaystyle \mathrm {\ 2\ FeS_{2}\ +\ 7\ O_{2}\ +\ 2\ H_{2}O\ \longrightarrow } } {\displaystyle \mathrm {\ 2\ FeSO_{4}\ +\ 2\ H_{2}SO_{4}} }

Bei der Produktion von Titandioxid mit dem Sulfatverfahren entsteht als Nebenprodukt in großen Mengen ebenfalls Eisen(II)-sulfat. Die größten Mengen entstehen in Deutschland im Produktionsbetrieb in Nordenham von Kronos International. Ferner entsteht es auch beim Beizen von Eisenblechen.

In der Natur kommt Eisensulfat als Mineral Melanterit vor, es ist ein Verwitterungsprodukt von Pyrit. Es kommt dabei in verschiedenen Hydratformen vor, welche ebenfalls in der freien Natur auftreten.

Eigenschaften

Eisen(II)-sulfat kristallisiert aus wässrigen Lösungen als hellgrüne Kristalle, die 7 Mol Kristallwasser enthalten: FeSO4 · 7 H2O, daher auch der Name Eisen(II)-sulfat-heptahydrat. Nur in reinem Zustand ohne Kristallwasser (FeSO4) ist es hellblau. Die grünliche Färbung entsteht durch teilweise Oxidation zu Fe3+. Mit steigender Temperatur wird stufenweise Kristallwasser abgegeben. Kristallwasserabspaltung des Heptahydrats beginnt bei 60 °C, und ab 300 °C dann die des Hydrats.[2] An trockener Luft verwittern die Kristalle, diese Kristallwasserabspaltung gelingt vollständig bei längerem Erhitzen über 70 °C, dabei entsteht das Monohydrat als farbloses Pulver FeSO4 · H2O, welches bei starkem Erhitzen ab etwa 400 °C zu Eisen(III)-oxid, Schwefeldi- und Schwefeltrioxid zerfällt. Eisensulfat ist gut wasserlöslich, aber so gut wie unlöslich in Ethanol und Aceton. Die wässrige Lösung von Eisen(II)-sulfat reagiert sauer.[2] Die Lösung ist allerdings unbeständig, wobei durch Oxidation mit Luftsauerstoff teilweise basisches Eisen(III)-sulfat (Eisen(III)-hydroxysulfat) entsteht.[7]


Löslichkeit in Wasser[8]

SalzTem-
peratur
Löslichkeit
in H2O
wasserfrei20 °C256 g/kg
Monohydrat77 °C447 g/kg
90 °C360 g/kg
Heptahydrat0 °C157 g/kg
10 °C205 g/kg
25 °C295 g/kg
40 °C399 g/kg
54 °C514 g/kg

Historische Verwendung

Kupferwasser

Kopperwasser, Kopperwater und Kupferwasser (lateinisch auch Vitriolum vulgare[9]) sind alte Bezeichnungen für unreines kristallwasserhaltiges farbiges (kupferhaltiges bzw. mehr oder weniger kupfervitriolhaltiges) Eisenvitriol.[10][11] Teilweise wurden im Mittelalter im gewerblichen Bereich auch Kupferwasser und Eisenvitriol gleichgesetzt; die Salze dienten neben Alaunen und anderen Kupfer-, Eisen-, Zink-, Chrom- und Zinnsalzen als Gerb- und Beizmittel.[12]

Kupferwasser wurde im Kupfer-Bergbau gewonnen und durch Hansehandel in Fässern verschifft. Im Jahr 1501 gehörte gemäß der Schrift „Summarische Extrakt und beschreybung der Khauf-Handels und Schefleuth im Lands Bayrn“ Kupferwasser zu den Gütern, die auf der Loisach verzollt wurden.[13]

Kupferhaltiger Eisenvitriol wurde als Chalcitis usta bezeichnet.[14]

Eisengallustinte

Perser, Meder, Assyrer und Hebräer schrieben auf ungegerbte Häute mit Tusche aus Ruß und Öl, die leicht abreib- oder abwaschbar war; etwa seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurde Eisengallustinte, eine aus Eisen(II)-sulfat, Galläpfeln, Wasser und Gummi arabicum hergestellte Tinte, als dokumentenechte schwarze Tinte zum Schreiben auf Pergament und später Papier gebräuchlich.[15]

Heilmittel

Eisensulfat findet sich in der Rezeptur bekannter Heilmittel des Mittelalters wie beispielsweise des Theriaks, das aus über 60 Bestandteilen (pflanzliche Auszüge, Opium, Gewürze, Schlangenfleisch und andere) bestand.

Sicherheitshinweise

Eisen(II)-sulfat wirkt bei Kontakt akut reizend bis ätzend auf Haut und die Schleimhäute. Das Sulfat kann sowohl über Hautkontakt als auch oral und über die Atemwege resorbiert werden. Eine orale Aufnahme relevanter Mengen über etwa 20 mg/kg Körpergewicht kann akut zu einer Schädigung des Magen-Darm-Trakts, der Leber und des Herz-Kreislaufsystems führen. Bei hohen Dosen ab 180–300 mg/kg sind Azidosen mit Todesfolge möglich. Bei chronischer Exposition kann eine Akkumulation mit Gewebeschädigungen an inneren Organen auftreten.[2]

Bei Kindern führte eine orale Aufnahme von 390 mg/kg (1964) zu Appetitlosigkeit und Schläfrigkeit mit Todesfolge (LDLo)[4]; in einem Vergiftungsfall von 1982 wurde eine orale LDLo von 699 mg/kg ermittelt.[16] Für Tiere liegen die oralen LD50-Werte bei 319 mg/kg (Ratte)[4], 600 mg/kg (Hund)[17] und 680 mg Eisensulfat pro kg Körpergewicht (Maus).[5]

Ab 400 °C zersetzt sich Eisen(II)-sulfat unter Entstehung teilweise toxischer Produkte wie Schwefeldioxid und Schwefeltrioxid.[2]

Moderne Verwendung

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Extern FERROUS SULFATE in der CosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 8. Juli 2026.
  2. Hochspringen nach: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 intrag zu Extern Eisen(II)-sulfat in der GESTIS-Stoffdatenbank des Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, abgerufen am 8. Juli 2026. (JavaScript erforderlich)
  3. Eintrag zu Extern Iron sulphate in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung Extern erweitern.
  4. Hochspringen nach: 1 2 3 4 R. A. Yeary, R. A. Benish, M. Finkelstein: Acute toxicity of drugs in newborn animals. In: The Journal of Pediatrics. 69, 1966, S. 663, Extern doi:10.1016/S0022-3476(66)80061-6. Extern PMID 5921346
  5. Hochspringen nach: 1 2 British Journal of Pharmacology and Chemotherapy. Band 24, 1965, S. 352. Extern PMID 14320849
  6. Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 159.
  7. A. F. Holleman, E. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 57.–70. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1964, S. 550.
  8. Atherton Seidell, William F. Linke: Solubilities of Inorganic and Organic Compounds. 2. Auflage. D. Van Nostrand Company, New York 1919, S. 343 (Online bei Archive.org).
  9. Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 159.
  10. Brockhaus' Konversationslexikon: Extern Kupferwasser – Kupolofen
  11. Vgl. Gundolf Keil: Randnotizen zum „Stockholmer Arzneibuch“. In: Studia neophilologica. Band 44, Nr. 2, 1972, S. 238–262, hier: S. 255 (zu kopperwater); und Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 412 (zu kupfferwasser: Kupfervitriol, „grüner galitzenstein“).
  12. Sabine Struckmeier: Die Textilfärberei vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit (14.–16. Jahrhundert): Eine naturwissenschaftlich-technische Analyse deutschsprachiger Quellen. Waxmann Verlag, 2011, ISBN 978-3-8309-7527-4, S. 73 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  13. Flößerei Josef Seitner: Extern Floßfahrt auf Loisach und Isar (vom 29. September 2007 im Internet Archive)
  14. Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 138 (Chalcitis: Erzstufe).
  15. Tilman Nagel, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (Hrsg.): Begegnungen mit Arabien. 250 Jahre Arabistik in Göttingen. Wallstein Verlag, Göttingen 1998, ISBN 3-89244-097-2, S. 54, ( Extern eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  16. Journal of Forensic Sciences. Band 27, 1982, S. 955.
  17. Felix R. Althaus: Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinärmedizin. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-8304-1070-6, S. 215 ( Extern eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  18. Extern Apothekeninfo Beipackzettel Eisensulfat Lomapharm 100mg In: apotheken-umschau.de.
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Basierend auf einem Artikel in: Extern Wikipedia.de
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 08.07. 2026