Kubische Funktion



In der Mathematik versteht man
unter einer kubischen Funktion eine ganzrationale
Funktion 3. Grades, also eine Funktion
auf den reellen Zahlen, die in der
Form
mit
und
geschrieben werden kann.
Kubische Funktionen können als reelle Polynomfunktionen
von Polynomen über
aufgefasst werden.
Eigenschaften
Verhalten im Unendlichen
Wie bei allen ganzrationalen Funktionen von ungeradem Grad gilt
,
,
falls der führende Koeffizient
positiv ist, und
,
,
falls
negativ ist.
Nullstellen
Da eine kubische Funktion als Polynomfunktion stetig ist, folgt aus
dem Verhalten im Unendlichen und dem Zwischenwertsatz,
dass sie stets mindestens eine reelle Nullstelle hat. Andererseits kann eine
ganzrationale Funktion vom Grad
nicht mehr als
Nullstellen besitzen. Somit folgt: Eine kubische Funktion hat in
mindestens eine und maximal drei Nullstellen.
Zum Auffinden der Nullstellen einer kubischen Funktion siehe Kubische Gleichung
und Cardanische
Formeln. Die Diskriminante
der allgemeinen kubischen Funktion
lautet
und eignet sich zur Nullstellenklassifikation
des Polynoms: Im Fall
existieren drei verschiedene reelle Nullstellen, im Fall
nur eine. Gilt
,
so gibt es entweder eine einfache und eine doppelte reelle Nullstelle oder es
gibt eine dreifache reelle Nullstelle.
Wenn der Funktionsgraph exakt eine reelle Nullstelle hat, dann kann diese auf folgende Weise ermittelt werden:
Dabei ist der Ausdruck unter der Quadratwurzel positiv.
Diese Nullstellenformel bildet zur quadratischen Mitternachtsformel das kubische Analogon.
Das numerische Auffinden der Nullstellen ist beispielsweise mit dem Newton-Verfahren möglich.
Monotonie und lokale Extrema
Als Polynomfunktion ist
beliebig oft differenzierbar;
für ihre 1. Ableitung
ergibt sich die quadratische
Funktion
.
Ist deren Diskriminante
positiv, d.h. es gilt
,
so besitzt
genau ein lokales Maximum und genau ein lokales Minimum. Anderenfalls ist
streng
monoton, und zwar streng monoton wachsend für
und streng monoton fallend für
.
Wendepunkt und Symmetrie
Jede kubische Funktion
besitzt genau einen Wendepunkt
.
Die Wendestelle
ist die eindeutig bestimmte Nullstelle der 2. Ableitung .
Der Funktionsgraph
von
ist punktsymmetrisch
zu seinem Wendepunkt.
Normalform
Durch Verschiebung und Umskalierung lässt sich jede kubische Funktion
in die Form
mit
bringen.
Man erhält also genau drei mögliche Fälle dieser Normalform.:
: Der Graph von
besitzt zwei Extrempunkte.
: Die Extrempunkte fallen zu genau einem Sattelpunkt zusammen.
: Der Graph von
besitzt weder Extrema noch Sattelpunkt, da die Ableitung jetzt auf dem gesamten Definitionsbereich positiv ist.
Da die Transformation auf Normalform die Existenz der Extrema nicht
verändert, gilt diese Charakterisierung auch für die ursprüngliche Funktion
.
Der Koeffizient
ist das entgegengesetzte Vorzeichen
der Diskriminante der Ableitung der ursprünglichen Funktion
.
Kubische Parabel
Als kubische Parabeln bezeichnet man die Funktionsgraphen von
kubischen Funktionen und diejenigen Kurven in der Ebene, die aus diesen durch
Drehungen hervorgehen. Da bei der geometrischen Betrachtung der Kurve eine
Translation irrelevant ist, braucht man nur kubische Polynome mit
analytisch zu untersuchen.
Kubisches Polynom
Sei
ein beliebiger Ring.
Als kubische Polynome über
bezeichnet man Ausdrücke der Form
mit
und
.
Formal handelt es sich um Elemente des Polynomringes
vom Grad 3, sie definieren Abbildungen von
nach
.
Im Fall
handelt es sich im obigen Sinne um kubische Funktionen.
Falls
ein algebraisch
abgeschlossener Körper ist, zerfällt jedes kubische Polynom als Produkt
dreier Linearfaktoren.
Allgemeiner sind kubische Polynome in
Variablen Ausdrücke der Form
,
wobei nicht alle
Null sein sollen. Diese Polynome definieren Abbildungen von
nach
.
Ihre Nullstellenmengen im
werden für
als kubische
Kurven (falls die Kurve keine Singularitäten
hat, als elliptische
Kurven) und für
als kubische
Flächen bezeichnet.
Siehe auch



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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 16.12. 2021