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Blutwerte

Die Blutuntersuchung zählt zu den wichtigen Untersuchungsmethoden in der Laboratoriumsmedizin.

Normalbereiche

Normalbereiche werden typischerweise an einer großen Zahl von offensichtlich Gesunden erhoben. Als so genannte Normalwerte gibt man die Ober- und Untergrenzen des Bereichs an, in dem sich 95 % aller Messwerte befinden. Ein Wert außerhalb des Normalbereichs bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die entsprechende Person krank ist, ganz im Gegenteil: Jeder 20. Wert muss definitionsgemäß bei Gesunden außerhalb der angegebenen Grenzen liegen.

Da die Normalbereiche auch stark von der verwendeten Methodik, der untersuchten Population etc. abhängen, sind die in dieser Tabelle aufgeführten Grenzwerte nur als Anhaltswerte zu verstehen. Für die Bewertung von Laborbefunden ist die spezifische Tabelle des jeweiligen Arztes gültig und im Zweifelsfall eine persönliche ärztliche Interpretation erforderlich.

Referenzbereiche und Entscheidungsgrenzen

Umgekehrt weisen alle Normalbereiche mehr oder weniger starke Überlappungen mit den Werten auf, die bei Kranken erhalten werden. Ihre Messwerte hängen z. B. von Art, Stadium, Schwere und Behandlung der jeweiligen Erkrankung ab: So besagt der Spiegel des Tumormarkers Prostataspezifisches Antigen (PSA) z. B. durchaus etwas über die Gesamtgröße der Prostata, jedoch so gut wie nichts über die gut- oder bösartigen Ursachen einer eventuellen Vergrößerung. Um eine optimale Trennung zwischen Gesunden und Kranken zu erhalten, benötigt man deshalb für jede medizinische Fragestellung spezielle Referenzbereiche und Entscheidungsgrenzen: Möchte man z. B. bei der Testung einer Blutkonserve eine HIV-Verseuchung unbedingt ausschließen, so wird man die obere Entscheidungsgrenze des Tests extrem niedrig setzen (selbst auf die Gefahr hin, dass viele scheinbar verdächtige Proben dadurch verworfen werden müssen), während man für denselben Test bei einer Reihenuntersuchung einen vergleichsweise höheren Grenzwert ansetzen wird, um Gesunde nicht mit falschem AIDS-Alarm zu konfrontieren.

Referenzbereich

Der Referenzbereich umfasst 95 Prozent aller bei offensichtlich gesunden Personen gemessenen Werte. Im Regelfall befinden sich jeweils 2,5 % der gesunden Personen oberhalb bzw. unterhalb davon. Die Referenzgrenzen entsprechen somit statistisch gesehen den Quantilen 0,025 und 0,975 (Perzentilen 2,5 % und 97,5 %) der Laborwerte einer gesunden Bevölkerung.[1] Entsprechend dieser Definition weisen 5 % der gesunden Personen einen Wert außerhalb dieses Referenzintervalls auf (Befundkranke).[2] Umgekehrt können kranke Personen einen Wert innerhalb des Referenzintervalls aufweisen.

Für Laborwerte, welche bei gesunden Personen nahe 0 liegen bzw. bei denen niedrige Werte keinen Krankheitswert besitzen, wird oft nur die Obergrenze des Referenzbereichs angegeben. Beispiele hierfür sind LDL-Cholesterin, C-reaktives Protein (CRP) und Troponin T. Der Referenzbereich ergibt sich dann aus dem Bereich zwischen 0 und dem 95 % Perzentil bzw. als < 95 % Perzentil der gesunden Personen angegeben. Bei Laborwerten wie Vitamin D3 und HDL-Cholesterin, bei denen niedrige Werte ein Problem sind, wird der Referenzbereich umgekehrt als > 95 % Perzentil angegeben.[1][3]

Der Referenzbereich ist abhängig von der Messmethode (z. B. enzymatisch) und Einheit (z. B. g/L) sowie häufig auch von Alter, Geschlecht, Ethnie, Region usw. Für die Interpretation von Laborwerten ist es wichtig zu wissen, dass die Referenzgrenzen für ein und denselben Analyten stark variabel sein können. Deshalb müssen laut Richtlinie der Bundesärztekammer (Rili-BÄK) in einem Laborbefund zu jeder Analyse die jeweils gültigen Referenzbereiche angegeben werden.

Für die Größe der Referenzpopulation empfiehlt das Clinical and Laboratory Standards Institute (CLSI) im Allgemeinen 120 gesunde Personen.[4] Viele Referenzintervalle, besonders alters- oder geschlechtsspezifische, werden aber oft mit weniger Personen bestimmt.[3]

Anhaltswerte

Allgemein

Anhaltswerte in der klinischen Chemie
Parameter Referenzwerte
  Allgemein Frau Mann Einheit
Natrium 135-145 - - mmol/l
Kalium 3,6-5,0 - - mmol/l
Calcium 2,2-2,6 - - mmol/l
Chlorid 95-110 - - mmol/l
Magnesium 0,7-1,0 - - mmol/l
Glucose 3,33-5,55 - - mmol/l
Harnstoff-N 20-45 - - mg/dl
Kreatinin - 0,8-1,2 0,9-1,4 mg/dl
Kreatinin-Clearance - > 85 > 95 ml/min
Harnsäure - 2,0-6,8 - mg/dl
Gesamteiweiß 6,0-8,0 - - g/dl
Triglyceride 60-180 - - mg/dl
Cholesterin 140-200 - - mg/dl
Eisen - 60-160 80-180 µg /dl
Ferritin 35-217 23-110 35-217 µg /l
Myoglobin ca. < 70 19-56 21-98 ng/ml
Troponin 0,01-0,08 - - ng/ml
Bilirubin gesamt < 1,2 - - mg/dl
Fructosamin 2,0-2,8 - - mmol/dl
Bilirubin direkt < 0,3 - - mg/dl
Osmolalität 280-300 - - mosm/kg
High Density Lipoprotein (HDL) > 42 > 35 - mg/dl
Low Density Lipoprotein (LDL) < 155 - - mg/dl
Ammoniak - 20-65 28-80 µg /dl
Lactat < 16 - - mg/dl
Blutalkohol 0 - -
Phosphor 2,5-4,6 - - mg/dl
Hämoglobin   12-15,5 14-17,5 g/dl

Enzyme

Enzyme
Parameter Referenzwerte
  Allgemein Frau Mann Einheit
Alanin-Aminotransferase (ALT/GPT) (25 °C)   < 19 < 23 U/l
Alanin-Aminotransferase (ALT/GPT) (37 °C) < 50     U/l
Aspartat-Aminotransferase AST/GOT (25 °C)   < 15 < 19 U/l
Aspartat-Aminotransferase AST/GOT (37 °C) < 52     U/l
Alkalische Phosphatase (25 °C)   60-170 70-175 U/l
Alkalische Phosphatase (37 °C)   < 105 < 130 U/l
Cholinesterase (CHE) (25 °C) 3500-8500     U/l
Cholinesterase (CHE) (37 °C) 4900-12000     U/l
Creatin-Kinase (CK) (37 °C)   < 167 < 190 U/l
Gamma-Glutamyltransferase Gamma-GT (25 °C)   4-18 6-28 U/l
Gamma-Glutamyltransferase Gamma-GT (37 °C)   < 39 < 66 U/l
Lactatdehydrogenase (LDH) (25 °C) 266-500     U/l
Lactatdehydrogenase (LDH) (37 °C) < 245     U/l
Lipase (37 °C) < 60     U/l
Pankreas-Amylase (37 °C) < 53     U/l

Alle Enzymaktivitäten (Analysen mit der Einheit U/l) sind temperaturabhängig.

In Deutschland gelten seit dem 1. April 2004 die neuen Referenzwerte bei 37 °C.

Gerinnung

Gerinnung
Parameter Referenzwerte
  Werte Einheit
Quickwert 70-100 %
International Normalized Ratio (INR) 1,00  
Partial Thromboplastin Time (PTT) 26-36 s
Thrombinzeit (PTZ) 14-21 s
Fibrinogen 180-350 mg/dl
AT3 70-120 %
PFA-Verschlusszeit, Collagen/Epinephrin 85-165 s
PFA-Verschlusszeit, Collagen/ADP 71-118 s

Differentialblutbild

Differentialblutbild
Parameter Referenzwerte
  Werte Einheit
Leukozyten, allgemein 4-10 /nl
Neutrophile Granulozyten, stabkernig 3-5 %
Neutrophile Granulozyten, segmentkernig 50-70 %
Basophile Granulozyten 0-1 %
Eosinophile Granulozyten 2-4 %
Lymphozyten 20-45 %
Monozyten 2-8 %
Anisozytose negativ  
Polychromasie negativ  
Retikulozyten 7-15

Entzündungsfaktoren

Entzündungsfaktoren
Parameter Referenzwerte
  Allgemein männlich weiblich Säuglinge Einheit
C-reaktives Protein (CRP) < 0,5     < 1,0 mg/dl
α-1-Antitrypsin 83-199       mg/dl
Fibrinogen 150-450     < 1,0 mg/dl
Blutsenkung   < 15 < 25   mm/h

Blutgasanalyse

Blutgasanalyse
Parameter Referenzwerte
  Werte Einheit
pH 7,37-7,45 
pCO2 35-45 mmHg

Hormone und Diabetes mellitus

Hormone und Diabetes mellitus
Parameter Referenzwerte
  Werte Einheit
FT3 2,2-5,5 pg/ml
FT4 0,6-1,8 ng/dl
TSH basal 0,4-2,5 mU/l
TRH-Test 2-25 mU/l
Beta Humanes Choriongonadotropin (HCG) < 10 I.U./l
Insulin 1,6-10,8 mU/l
Insulin OGTT  
Fructosamin 2,0-2,8 mmol/dl
HbA1c 4,2-6,2 %

Leber

Leberserologie
Parameter Referenzwerte
Anti-HAV (IgG / IgM) negativ
Anti HBs negativ
Anti HBc (IgG/IgM) negativ
HBs-Antigen negativ
Anti-HCV negativ

Medikamente

Medikamente
Parameter Referenzwerte
  Werte Einheit
Digoxin 0,8-2,0 µg /l
Digitoxin 10-30 µg /l
Theophyllin 8-20 mg/l

Tumormarker

Tumormarker
Parameter Referenzwerte
  Werte Einheit
Prostataspezifisches Antigen (PSA) < 4,0 ng/ml
Carcino-Embryonales Antigen (CEA) < 5,0 ng/ml
Alpha-1-Fetoprotein (AFP) < 8,3 IU/ml
CA 19-9 < 37-40 kU/l

Proteine

Proteine
Parameter Referenzwerte
  Werte Einheit
Immunglobulin E (IgE) < 100 IU/ml
Immunglobulin G (IgG) 700-1600 mg/dl
Immunglobulin A (IgA) 70-400 mg/dl
Immunglobulin M (IgM) 40-230 mg/dl
Transferrin 200-360 mg/dl

Elektrophorese

Elektrophorese
Parameter Referenzwerte
  Werte Einheit
Albumin 55,3-68,9 %
Alpha1-Globulin 1,6-5,8 %
Alpha2-Globulin 5,9-11,1 %
Beta-Globulin 7,9-13,9 %
Gamma-Globulin 11,4-18,2 %

Einzelnachweise

  1. Hochspringen nach: a b T. Arndt: Referenzintervall. In: Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik. Springer, Berlin, Heidelberg 2019, ISBN 978-3-662-48986-4, S. 2042–2043, doi: Extern 10.1007/978-3-662-48986-4_2644 ( Extern springermedizin.de [abgerufen am 13. November 2024]).
  2. Hochspringen nach: a b H. Büttner: Grundlagen der Bewertung klinisch-chemischer Befunde. In: Validität klinisch-chemischer Befunde. Springer, Berlin, Heidelberg 1980, ISBN 978-3-642-81447-1, S. 58–81, doi: Extern 10.1007/978-3-642-81447-1_4 ( Extern springer.com [abgerufen am 13. November 2024]).
  3. Hochspringen nach: a b Torsten Arndt: Normalwerte und Referenzintervalle – zur Transversalbeurteilung in der Labordiagnostik. In: Toxichem Krimtech. Band 93, Nr. 1. Gesellschaft für Toxikologische und Forensische Chemie (GTFCh), Jena 2016 ( Extern gtfch.org [PDF]).
  4. Clinical and Laboratory Standards Institute (CLSI): EP28-A3C: Defining, Establishing, and Verifying Reference Intervals in the Clinical Laboratory. 3. Auflage. CLSI, Wayne, PA 2010, ISBN 1-56238-682-4 ( Extern clsi.org).
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 11.02. 2026