Nordfriedhof

Ein Überblick

Oberhalb der Dornburger Straße liegt einer der schönsten deutschen Landschaftsfriedhöfe.
1884 beschloß die Stadt im Norden einen neuen Friedhof anzulegen. 1889 fanden hier die ersten Bestattungen statt, 1898 wurde das Krematorium eröffnet. Hohe alte Bäume, gepflegte Hecken und Rabatten wechseln mit reizvollen Durchblicken. Von den höher gelegenen Punkten genießt man einen herrlichen Ausblick auf den Jenzig, die Kunitzburg und die Neubaugebiete im Norden Jenas. 1958 wurde jenseits des Munketals der Urnenhain IV nach modernsten gartenarchitektonischen Gesichtspunkten mit schwungvoller Freitreppe und hellen Muschelkalkmauern gestaltet. Viele namhafte Persönlichkeiten der Stadt fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Im alten Teil des Friedhofes befinden sich die Grabstätten der Jenaer Verleger Gustav Fischer (Feld 2,27) und Eugen Diederichs (Feld 11,17-18) sowie der Schriftstellerinnen Helene Voigt-Diederichs und Lulu von Strauß und Torney-Diederichs. Der Nobelpreisträger Rudolph Eucken, Professor der Philosophie (Feld 9,3), der Chemiker Anton Geuther (Feld 2,2), der Privatgelehrte und Freund Bebels Hermann Anton Sy (UH 1,65), der um Jenas Musikleben verdiente und mit Franz Liszt befreundete Carl Gille (o. Nr., Feld 2 gegenüber von Sy) seien hier genannt. — Im höher gelegenen Teil des Friedhofs fällt zuerst das sowjetische Ehrenmal auf (Feld 14). Nicht weit davon befindet sich das Hünengrab für Otto Schott (Feld 14,1a) und etwas weiter links das von A. v. Hildebrand im Jugendstil entworfene Grabmal Ernst Abbes (UH 11,91).

Die von Timmler konzipierte und 1889 eröffnete Feierhalle

Namen bekannter Wissenschaftler des Zeißwerkes begegnet man häufig. Neben Abbe ruht sein Nachfolger Siegfried Czapski (UH 11,90), der bei den Prismenfeldstechern beachtliche Fortschritte erzielte. Max Berger (Feld 23,30) begann als Mechanikergehilfe und entwickelte sich zum geschicktesten Konstrukteur. Moritz von Rohr, Abbes persönlicher Assistent, Entdecker auf dem Gebiet der Brille und der medizinischen Geräte (UH 11,21), Otto Knopf, Professor der Astronomie, von Abbe als Sternwartendirektor eingesetzt (Feld 8,13a), der verdienstvolle Wissenschaftler Fritz Löwe aus der Meßinstrumentenabteilung (UH III,D,38), Ernst Wandersieb, der durch sein „Adlerauge der Kamera“ berühmt wurde und ab 1909 mit dem Ballon „Thüringen“ aufstieg und sensationelle Luftaufnahmen anfertigte (Feld 15,88), stehen für viele.
Zahlreiche bedeutende Mediziner, darunter der Chirurg Bernhard Riedel (UH II,130a), der Gynäkologe Bernhard Sigismund Schultze-Jena (Feld 9,1), Robert Kochs ehemaliger Mitarbeiter August Gärtner, erster Professor für Hygiene in Jena (Feld 21,1), der Begründer der Jenaer Kinderklinik Jussuf Ibrahim (Feld 19,4) sind Meilensteine in der Geschichte der Jenaer Medizin. Ein bedeutender Kirchenhistoriker war Ernst Heussi (Feld 10,12).
Um Jenas Wiederaufbau machte sich der Oberbürgermeister Otto Wagner verdient (Feld 7a,194). Zu nennen ist auch Jenas Mundartenerzähler und Bienenzüchter Otto August Ludwig (UH III,D,30). In seiner Nähe wurde die Urne des in Buchenwald ermordeten Führers der Widerstandsbewegung Magnus Poser beigesetzt (UH III,D, 138). Rudolf Trognitz, Mitbegründer der Jenaer KPD-Ortsgruppe (UH III,D,87), und Richard Zimmermann (UH III,C,29) zählen zu den Veteranen der Jenaer Arbeiterbewegung. Nicht vergessen sollte man beim Rundgang die Grabstätten sowjetischer Bürger (Feld 7b) mit 32 Namen, das Grabmal für verschleppte Bürger verschiedener Nationen (Feld 16), das Grabmal niederländischer Bürger mit 15 Namen (Feld 4,8), die fern ihrer Heimat durch die Schuld des Hitlerregimes ihr Leben lassen mußten.

Erreichbarkeit

Siehe auch

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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 01.10. 2019